1950-1960 Kurs Buenos Aires !

 
30.03.1951
Jungfernfahrt im Dienst Marseille-Buenos Aires
14.02.1952 Schwesterschiff BRETAGNE in Dienst
17.09.1954 Kollision mit Tanker SAXONSEA im La Plata
26.03.1955 Erste Reise nach dem Unglück
Herbst 1957 Kleinerer Umbau (38 zusätzliche Betten)
 
SGTM-Kalender mit Provence oder Bretagne im Hintergrund
 

Bedenkt man die obigen Ausführungen, verwundert es nicht, daß die Route von Marseille nach Südamerika über Dakar (französische Kolonie Senegal), Rio, Santos, Montevideo nach Buenos Aires über Genua führte, um die italienischen Auswanderer mitzunehmen. Auf dieser über 6000 Seemeilen langen Strecke zur damals größten südamerikanischen Stadt, nach Buenos Aires, was übersetzt „Gute Lüfte“ heißt,  lief die PROVENCE am 30. März 1951 zur Jungfernfahrt aus. Für die drei größten Passagiergruppen waren je ein französicher, italienischer und spanischer Arzt an Bord. Ab dem 14. Februar 1952 stieß das Schwesterschiff BRETAGNE hinzu. Die beiden Schiffe fuhren zeitlich versetzt, um dem Publikum eine möglichst große Auswahl an Abfahrtsterminen zu bieten. Trotzdem konnten bei zwei Schiffen maximal alle 3 Wochen eine Abfahrt angeboten werden, denn die Fahrtzeit betrug etwa 19 Tagen für die einfache Strecke; vor dem Krieg war mit vier Einheiten alle 2 Wochen eine Abfahrt möglich gewesen. Die Passagierkapazität der SGTM war aber etwa gleich geblieben, da die neuen Schiffe etwas schneller waren und pro Fahrt mehr Passagiere befördern konnten. Die letzten beiden aus den 20er Jahren stammenden alten Schiffe der SGTM, die auf dieser Route fuhren, wurden noch 1951 an die Reederei Chargeurs Reunis verkauft.

Auf der Südamerika-Route mangelte es nicht an Konkurrenz: In Frankreich gab es noch die Chargeurs Reunis (später von Messageries Maritimes übernommen), die allerdings von der Atlantikküste Frankreichs (Le Havre und Bordeaux) aus fuhr. Von der französischen Mittelmeerküste aus bot nur SGTM die Südamerika-Verbindung an. Gefährlicher war da schon die Konkurrenz italienischer Reedereien. Da ist zunächst die staatliche Italia S.A.N. zu nennen. Sie nahm den Betrieb nach dem Krieg 1949 mit den zwei aus den 20er Jahren stammenden, größeren und schnelleren Einheiten der CONTE GRANDE-Klasse wieder auf. Dazu kamen zeitgleich mit der PROVENCE zwei noch schnellere Einheiten der GIULIO CESARE – Klasse, die schon als wirkliche Ozean-Riesen gelten konnten. Aber auch Argentinien wollte das Geschäft nicht allein den europäischen Linien überlassen. Die staatliche Argentinische F.A.N.U. – Reederei betrieb zwei Schiffe auf der Buenos-Aires-Linie. Zudem war auch schon die Costa-Reederei auf der Bildfläche erschienen, die mit den Schiffen ANNA C. und ANDREA C. vor allem auf  Auswanderer abzielte. Abgesehen von dieser Konkurrenz war das Geschäft auf dieser Linie von der Wirtschaftskrise im Nachkriegs-Südamerika belastet. Da war es gut, daß das Auswanderergeschäft mittels fester Quoten auf die Reedereien der Länder verteilt wurde, die das Comité Intergouvernemental pour les Migrations Europeénnes finanzierten.

Als Auswandererschiff trug die PROVENCE in den folgenden Jahren dazu bei, daß Argentinien weiterhin als das am meisten europäisch geprägte Land Südamerikas galt, bis es am 17. September 1954 zu einem schweren Unglück kam. Der liberianischer Tanker SAXONSEA rammte die PROVENCE im La Plata, auf der Rückreise von Buenos Aires. Der Bug der PROVENCE wird sehr schwer beschädigt, aber glücklicherweise kostet die Kollision keine Menschenleben. Die PROVENCE wird nach Buenos Aires gebracht und dank ihrer soliden Konstruktion eltschließt man sich, sie behelfsmäßig zu reparieren, damit sie nach Marseille laufen kann zur endgültigen Reparatur. Die Schwere der Schäden läßt sich ermessen, wenn man sich vor Augen führt, daß sie trotz nur oberflächlicher Reparaturarbeiten erst am Neujahrstag 1955 in Marseille zur Beseitigung der Schäden einläuft. Die nun beginnenden Reparaturarbeiten dauterten noch einmal fast drei Monate, do daß das Schiff seine unfreiwillige Untätigkeit erst am 26. März 1955 mit der ersten Reise nach dem Unglück beenden konnte.

In dieser langen Zeit hielt das Schwesterschiff BRETAGNE die Fahne der SGTM im Südamerikadienst hoch. Die Schornsteinfarbe der SGTM waren übrigens schwarz mit einem breiten roten Band auf halber Höhe. Im roten Band befand  sich das Wappenschild der Reederei in den Farben blau, weiß und rot (wohl eine Aufnahme der französischen Nationalfarben) mit einem Anker im Zentrum. Während im Herbst 1956 einige französische Reedereien durch die Beschlagnahme von Schiffen für den Einsatz im Rahmen der französischen Suez-Intervention Beeinträchtigungen erlitten, scheint die PROVENCE unbehelligt geblieben zu sein. 1957 wurden auf der PROVENCE durch einen Umbau 38 Betten in der Touristen-Klasse zusätzlich verfügbar. Danach verschlechterte sich allerdings die Geschäftslage für SGTM auf der Südamerika-Route. Die spanische Ybarra-Linie stellte auf der Linie Genua-Buenos Aires 2 neue Liner in Dienst, die etwa so groß wie die SGTM-Liner waren. Darüber hinaus hatte die genuesische Costa-Reederei ihre Flotte auf der Route auf 3 Schiffe ausgedehnt und stellte nun mit der FEDERICO C ein deutlich größeres Schiff in Dienst, das neue Maßstäbe setzte. Die erwähnten Konkurrenten konnten alle Passagiere in eigenen Kabinen unterbringen (keine Schlafsäle) und waren außerdem schneller als die SGTM-Schiffe. Zudem verschlechterten sich die Aussichten auf Passagen von Geschäftsreisenden durch das Aufkommen der düsengetriebenen Passagierflugzeuge, die gerade auf dem Nordatlantik im Begriff waren, der Schiffahrt die Kunden abzunehmen. Schon 1946 hatte die spanische Fluggesellschaft Iberia den regelmäßigen Flugverkehr nach Buenos Aires aufgenommen. Dazu kam noch, daß ab Mitte der 50er Jahre ein Teil der italienischen Emigranten in den europäischen Norden ging, z. B. nach Deutschland.
 
 

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