1990 - 1994  Neues Leben als Motorschiff

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ENRICO COSTA 1990-93
 
13.05 1990 Erste Kreuzfahrt (im Mittelmeer) nach dem Umbau 
15.09.1992  Die ENRICO COSTA läuft vor Katakolon auf ein Riff
ab 1993 Geändertes Kreuzfahrtprogramm: im Sommer Nordeuropa, im Winter: Kanarische Inseln
Frühling 1994 Mit dem Bauauftrag für die COSTA VICTORIA wird die ENRICO COSTA zum Verkauf ausgeschrieben
 
Nach der Erprobungsfahrt nahm sie ihren Kreuzfahrtdienst am 13.05.1990 wieder auf mit einer Fahrt durchs westliche Mittelmeer ab Genua. Sie erreichte dabei auf der Strecke nach Villefranche sogar eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 22 kn ! Im Winter 1991/2 wandelte sie noch einmal auf den Spuren ihrer eigenen Geschichte bei Kreuzfahrten nach Argentinien , Uruguay und Brasilien.
Im Sommer 1992 befuhr sie das östliche Mittelmeer, als es zu einem dramatischen Ereignis kam, das leicht das Ende für diesen traditionsreichen Liner hätte bedeuten können. Am 15. September lief das Motorschiff eine Meile vor Katakolon an der Westküste der griechischen Peloponnes, (von wo aus viele Kreuzfahrer zum antiken Olympia pilgern) auf ein Riff. Die 579 Passagiere wurden ausgebootet. Glücklicherweise kam kein Passagier bei diesem Unglück zu schaden. Die ENRICO COSTA blieb 3 Tage an dem Unterwasserfelsen hängen, bis sie sich aus eigener Kraft lösen konnte. Wieder zeigte sich ihre Widerstandsfähigkeit, hatte sie doch durch diese Havarie keine ernsthaften Schäden erlitten.
Von nun an änderte sich ihr gewohntes Kreuzfahrtprogramm: 1993 kreuzte sie in nordeuropäischen Gewässern (Norwegen, England) und von Southampton aus zu den bei Engländern so beliebten Kreuzfahrten nach Portugal, Spanien, Marokko und die kanarischen Inseln. Die Wintersaison 1993/4 verbrachte sich nicht mehr in Südamerika, sondern mit 11-tägigen Kreuzfahrten ab Genua zu den Kanarischen Inseln (den „Inseln des ewigen Frühlings“) und nach Marokko. Diese Fahrten wurden schon ab 1570,-- DM angeboten.  Vom 4. – 15. April 1994 stand sogar eine deutschsprachige Sonderkreuzfahrt unter der Bezeichnung „Sahara, Tempel und Vulkane“ im Prospekt. Es ging nach Tunesien, Malta Griechenland, zu den Liparische Inseln und nach Rom. Damit neigte sich aber ihre Zeit bei Costa ihrem Ende entgegen.

Schon vor dem letzten Umbau war der Flotte von Costa Crociere das erste Schiff eines ganz neue Stils zugegangen: Die COSTA MARINA. Schon sie war wesentlich größer als die ENRICO COSTA. Dies war aber erst der Anfang: In kurzer Folge kamen neue und immer größere Einheiten hinzu: die COSTA ALLEGRA, ein Schwesterschiff der COSTA MARINA (28430 BRZ), die COSTA CLASSICA und die COSTA ROMANTICA (je 53.000 BRZ).  Alles Schiffe, die einen im Heck eingebauten Antrieb besaßen, deren Schornstein nach achtern gerutscht war. Das erlaubte es, auf dem „Dach“ der Schiffe eine weitläufige Badelandschaft mit mehreren Pools und Whirlpools unterzubringen. Sie zeichneten sich auch durch mehrstöckige Atrien und von außen durch seltsam wirkende, aus einem Satz von drei zusammengeballten Röhren bestehende Schornsteine aus. Daher verwundert es, daß Costa 1990 noch eine derartige Summe in die ENRICO COSTA investierte. Sie konnte auch nach dem Umbau nicht mit einem weit oben angeordneten Panorama-Restaurant aufwarten (dafür bietet ein Restaurant im Bauch des Schiffes bei Seegang aber erhebliche Vorteile!). Und die jetzt aufkommenden Kabinen mit Privatbalkon waren auch nicht vorhanden. Die 2. Generation speziell für Kreuzfahrten gebauter Schiffe bieten zudem sehr viele der begehrten Kabinen auf den oberen Decks, was sie wie kantige schwimmende Hochhäuser aussehen läßt. Allgemein ist man seither der Ansicht, daß nur sehr kleine und sehr große Kreuzfahrtschiffe eine Überlebenschance im hart umkämpften Kreuzfahrtmarkt haben: große Schiffe sind pro Passagier gerechnet sehr kostengünstig; kleine können die Häfen ansteuern, in die große wegen ihres Tiefgangs nicht hineinpassen. Als alter Transatlantikfahrer hat die ENRICO COSTA aber 7,52 m Tiefgang, also nicht weniger als die moderne Mega-Liner. Daher war kein Platz mehr für das gemütliche, nostalgische Schiff in der Costaflotte; Mit der Bestellung eines noch gigantischeren Schiffes, der COSTA VICTORIA (75.000 BRZ) wurde sie im Frühling 1994 zum Verkauf gestellt.
 

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