1965-1972  Ein neuer Name - eine alte Route

 
ENRICO C. 1965
by courtesy of ARCHIVIO STORICO of the COSTA FAMILY. c/o IL PONTE KS, Genoa, Italy
 
1965 SGTM verkauft das Schiff an Costa. Umbenannt in ENRICO C.
23.05.1966 Erste Reise Genua-Buenos Aires nach dem Umbau
01.05.1968 Drei Nordatlantik-Überquerungen im Dienst Neapel -  Port Everglades
1972 Ende des Liniendiensten der ENRICO C. nach Buenos Aires
 
Die SGTM war 1964 von Cie. Fabre übernommen worden. Als dieser Verbund seinerseits von den Chargeurs Reunis übernommen wurde,  entschloß sich die SGTM 1965 die Passagierschiffahrt endgültig einzustellen, und so stand die PROVENCE, für die auch die Chargeurs Reunis keine Verwendung hatten, zum Verkauf. Nach Zustimmung der französischen Regierung
übernahm die ausländische Costa-Reederei daraufhin das Schiff. Diese Reederei hatte als italienisches Unternehmen eine starke Stellung unter der italienischen Auswandererkundschaft nach Südamerika und war daher in der Lage, das Schiff gewinnbringend zu beschäftigen. Auch waren die Sozialleistungen für französische Besatzungen schon 1959 wesentlich höher als für italienische gewesen.

Die PROVENCE erhielt gemäß der Tradition der Reederei, die sich ab 1967 Costa-Armatori nannte, einen Familiennamen aus der Costa-Familie: ENRICO C. Enrico Costa war 1916 einer der drei Erben des Gründers der Costa- Unternehmung Giacomo Costa. Seine Unternehmung beschäftigte sich bis dahin nur mit der Olivenölproduktion. Die Erben Federico, Eugenio und Enrico Costa beschlossen 1924, für Firmenzwecke einige Frachtschiffe zu kaufen, unter anderem um die Transportkosten für ihr Olivenöl zu senken. Damit wurden sie die Gründer der Reederei. Viele Familienmitglieder hatten in der seit 1948 aufgebauten Auswandererflotte nach Südamerika schon ihr Denkmal erhalten  (so Federico in der FEDERICO C.), nun war eben Enrico an der Reihe. Vorher hatte es in der Costa-Flotte schon zwei Frachtschiffe dieses Namens gegeben. Das Schiff erhielt nun das blaue „C“ auf gelbem Schornstein als Erkennungsmarke der Costa-Schiffe. Das Blau symbolisiert das Meer und das Gelb die Farbe des früher transportierten Olivenöls aus Costa-Produktion.

Die erste Reise im Dienst Genua - Buenos Aires nach dem Umbau (siehe vorherige Seite) unter dem neuen Namen trat das Schiff am 23. Mai 1966 an. Nach zwei Reisen legte sie am 3. August zu ihrer Antrittskreuzfahrt von Genua ab. Sie war nun ein ausgesprochen luxuriöses Schiff für den Auswandererdienst nach Südamerika, insbesondere, wenn man zugrunde legt, was bereits die Touristenklasse geboten bekam. Sicherlich war ein Grund die schon damals beabsichtigte Nutzung des Schiffes für Kreuzfahrten außerhalb der Liniendienstsaison.
So kreuzte sie zwischen den Transatlantikfahrten z.B. 1969 zu den kanarischen Inseln und 1970 auf der klassischen „Westliches Mittelmeer“-Route.

Als Ersatz für die im Umbau befindliche FEDERICO C. unternahm die ENRICO C. ab dem 1. Mai 1968 auch zwei Linien-Fahrten von Port Everglades nach Neapel und eine Reise retour. Eine Liniendienstfahrt und eine Kreuzfahrt unterschieden sich bei Costa darin, daß die Hafenaufenthalte auf das absolut notwendige reduziert waren, es wurde auch kein Ausflugsprogramm angeboten; zudem gab es die Klasseneinteilung mit getrennten Decksbereichen für die I. Klasse und die Touristenklasse. Die Erste Klasse- Passagiere konnten in ihrem Restaurant unter mehr Menüs auswählen als die Touristenklasse. Das Unterhaltungsangebot an Bord war im Vergleich zu einer Kreuzfahrt sehr dürftig. Auf eine solche Fahrt konnte jeder Passagier 100 kg Gepäck (oder bis zu einem halben Kubikmeter) zuschlagsfrei mitnehmen und darüber hinaus gegen Gebühr unbegrenzte Gepäckmengen. Sogar ein Piano konnte verschifft werden (für 80 $) oder ein Auto (mindestens 200 $). 1969 kostete eine Passage von Genua nach Buenos Aires in der I. Klasse mindestens 465 $ (2-Bett-Kabine), in der Touristenklasse „B“ mindestens 270 $ in der Doppel-Kabine innen ohne Dusche. Die Touristenklasse „A“ war besser, besaß meist eine Dusche, kostete aber mindestens 335 $. Das billigste Ticket von Lissabon nach Brasilien kostete 220 $ (6-Bett-innen, Gemeinschaftsduschen). Für italienische oder iberische Auswanderer galten Spezialtarife. Die billigste Reisezeit (Nebensaison) war November bis Juni für Fahrten nach Südamerika und August bis März für Fahrten nach Europa.

Im Jahr 1966 erhielt die Costa-Flotte im La-Plata-Dienst Verstärkung durch die EUGENIO C. Dieses Schiff war das zweitgrößte, das je für diese Route gebaut wurde (das größte war die kurzlebige französische L’ATLANTIQUE von 1931). Die Geschwindigkeit von bis zu 28,4 kn setzte neue Maßstäbe. Daher waren ihre Preise aber auch mindestens 10 % teurer. Doch kam dieses Schiff eigentlich zu spät, denn die düsengetriebenen Passagierflugzeuge setzten sich auch auf der Strecke nach Südamerika durch. Doch noch war der Flug etwa 50 % teurer als die Schiffspassage. So gab es denn 1966 noch 9 Schiffe von einer Größe oberhalb 10.000 BRT, die von Europa nach Buenos-Aires führen. Die 60er Jahre waren jedoch bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung in Europa durch schwindende Auswandererzahlen gekennzeichnet. Daher mischten sich unter die Linienfahrten der ENRICO C. immer mehr Kreuzfahrten. Diese wurden ohne die Klasseneinteilung des Liniendienstes durchgeführt, aber die Passagiere der teureren Kabinenkategorien speisten im A-la Carte Restaurant, im Gegensatz zu den preiswerteren Kabinen.

1972 beschloß die Costa-Reederei, die ENRICO C. nur noch für Kreuzfahrten einzusetzen. Dieser Schritt paßte ins wirtschaftliche Umfeld: Nicht nur die FEDERICO C. wurde zur gleichen Zeit aus dem Dienst genommen, auch die Messageries Maritimes hatte ihr letztes Schiff auf dieser Route, die PASTEUR, 1972 aus dem Dienst genommen. Die südamerikanischen Reedereien hatten sich schon länger aus dem Geschäft verabschiedet. Es blieben nur die Liner der staatlich subventionierten Italia S.A.N., die mit der CRISTOFORO COLOMBO, dem Schwesterschiff der ANDREA DORIA, und der GUGLIELMO MARCONI den La Plata-Dienst bis 1977 fortsetzte. Trotzdem wurden weiterhin einige Linienfahrten auf der EUGENIO C. und etwa 1 – 2 mal jährlich auch auf der ENRICO C. nach Buenos Aires angeboten. Die Route ging von Genua über Cannes, Barcelona, Lissabon, Rio, Santos nach Buenos Aires. Es handelte sich hierbei jedoch eigentlich um Überführungsfahrten vom europäischen Kreuzfahrtrevier, wo die Kreuzfahrtsaison zuende ging,  ins südamerikanische Revier, wo die Saison gerade begann. In Stil eines Costa-Liniendienstes trat dabei nur noch die EUGENIO C. auf: Durch ihre hohe Geschwindigkeit war die Fahrtzeit erheblich kürzer. Dieses Angebot wurde aber 1989 ebenfalls eingestellt.
 

<<zurück     Zurück zur Übersicht     weiter >>