1950 Der Stapellauf
 
 
Provence 1951
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20.01.1948 Bauauftrag an Swan Hunter
27.05.1949 Kiellegung in Newcastle
15.08.1950 Stapellauf
25.02.1951 Ablieferung an SGTM
 

Die SGTM war durch den 2. Weltkrieg arg gebeutelt worden: Von den 4 Linern, die die Route bisher befuhren, waren die beiden kleineren verloren gegangen, die beiden anderen konnten nach Rückgabe an SGTM bzw. Reparatur den Südamerika-Dienst nach Kriegende erst mit Verzögerung wieder aufnehmen. Man entschloß sich aber, diese alsbald zu ersetzen. Das erste Schiff, die PROVENCE wurde bei Swan, Hunter & Wigham Richardson in Newcastle am 20. Januar 1948 in Auftrag gegeben, wo es auf der Neptune-Werft am Fluß Tyne als Baunummer 1874 am 27. Mai 1949 auf Kiel gelegt wurde. Damit beginnt die mehr als 50jährige Lebensgeschichte dieses weitgereisten Schiffes !
Die Wahl einer englischen Werft für ein französisches Schiff war zum Teil mit der Überlastung der französischen Werften  durch den Wiederaufbau der französischen Handelsflotte nach dem 2. Weltkrieg zu erklären. Aber Swan, Hunter & Wigham Richardson war schon seit längerem ein bewährter Geschäftspartner der SGTM, auf deren Neptune-Werft sie schon vor dem Krieg 9 Schiffe bauen ließ. Das Schwesterschiff BRETAGNE wurde, obwohl nach fast identischem Bauplan gebaut, bei der französischen Werft Chantiers & Ateliers de St. Nazaire in Bau gegeben.

Die PROVENCE wurde am 15. August 1950 vom Stapel gelassen und von Madame Martel, der Frau des Präsidenten der SGTM, getauft. Am  25. Februar 1951, nach Einbau der Inneneinrichtung und Probefahrt am 23. Februar 1951, wurde sie abgeliefert. Man gab die technischen Daten wie folgt an:

Größe : 15.719 Buttoregistertonnen (7885 metric tons), Länge: 176,7 m, Breite: 22,3 m, Antrieb: 2 Getriebeturbinen der Firma Parson Marine Steam Turbine Co. (ebenfalls aus Newcastle) mit einer Leistung von zusammen 15.000 PS (an der Welle gemessen), 2 Schrauben, Dienstgeschwindigkeit 18 kn, maximal 20 kn. Passagierzahlen : 157 in der I. Klasse, 167 in der Touristenklasse, und 978 in der III. Klasse, wobei man 470 Passagieren dieser Klasse nur einen Schlafplatz in einem Schlafsaal anbieten konnte, daher ist für diese Passagiere wohl „IV. Klasse“ angemessen. (Von Eliseo werden 436 III. Klasse und 736 IV. Klasse angegeben). Besatzung: 260 Mann

Die Baukosten beliefen sich damals auf exakt: 2.255.291 englische Pfund, 3 Shilling und 6 Pence (laut Swan Hunter Baukontrakt). Finanziert wurde das Schiff durch den französischen Staat, der damit der Reederei den Kriegsverlust der MENDOZA ersetzte. Während die III. Klasse durch die Werft entworfen und eingerichtet wurde, wurden die Aufenthaltsräume der I. und II. Klasse nach Entwürfen des französischen Architekten André Arbus (er hatte den Empfangssaal des Elysée-Palastes eingerichtet) ausgeführt. Die Erste-Klasse-Passagiere genossen daher einen nicht unerheblichen Luxus: ihnen stand ein eigener klimatisierter Speisesaal zur Verfügung, der mit einer Decke aus 4000 schillernden venetianischen Glasteilen und verspiegelten Säulen ausgestattet war. Im Aufenthaltsraum der ersten Klasse waren die Wände in klassischer Form durch Säulen verziert, 4 Bronzestandbilder von Poisson (der schon für den Dampfer ILE DE FRANCE gearbeitet hatte) und ein Frauenkopf aus Bronze von Arbus selbst sowie Gemälde von Cassandre und Chapelin Midy verschönerten den Raum. Die ganz überwiegende Zahl der Passagiere in den schlechteren Klassen verfügte dagegen nicht einmal über ein WC oder eine Bademöglichkeit auf der Kabine, sondern mußte Gemeinschaftswaschräume benutzen. Praktisch die ganzen Aufbauten des Schiffes waren für die erste Klasse reserviert (Kabinen, Aufenthaltsraum, Bar, Kinderspielzimmer, Schreibzimmer, Lesezimmer, Außenpool). Die zweite Klasse verfügte über je einen Aufenthaltsraum und eine Bar im hinteren Teil des Schiffes, die wesentlich zahlreichere dritte Klasse mußte sich mit etwa gleich große Gesellschaftsräume im Vorschiff begnügen, wo auch ein Großteil ihrer Kabinen lag. Die Decksfläche war streng nach Klassen eingeteilt: Die Promenaden der Aufbauten und das oberste Deck (Sun-Deck) waren der ersten Klasse vorbehalten, der Heckbereich der zweiten Klasse und das Vorschiff der dritten Klasse. Die Restaurants der II. Klasse (klimatisiert) und der III. Klasse waren auf einem unteren Deck; das hat seine Vorteile, da der Seegang um so weniger spürbar ist, je tiefer im Schiff man sich befindet. Im III.-Klasse Restaurant saßen bis zu 586 Passagiere mit bis zu 14 Personen an langen Tischreihen. Der hohe Anteil einfacher Passage-Klassen ist auch dadurch bedingt, daß die PROVENCE zu einem nicht unerheblichen Teil als Auswandererschiff nach Südamerika eingesetzt werden sollte. Zudem hat sich so kurz nach dem Krieg wahrscheinlich nur eine geringe Kundschaft die teuren Kabinen leisten können. Die Route nach Argentinien war damals besonders bei den Südeuropäern beliebt. Dort hatten sich um die Jahrhundertwende zwischen einer und zwei Millionen Italiener angesiedelt, zahlenmäßig kaum geringer waren damals die Spanier. In Brasilien hatten sich zur selben Zeit noch einmal etwa halb so viele Auswanderer dieser beiden Gruppen angesiedelt. Diese Verbindungen zogen weitere Auswanderer nach, insbesondere in der Nachkriegszeit. Ende der 40er Jahre wanderten 100.000 italienische Emigranten pro Jahr in die Länder Südamerikas aus. Darüber hinaus war mit einer hohen Zahl an Pendlern zwischen den südamerikanischen Auswandererzentren und ihrer Heimat zu rechnen. Die PROVENCE und ihr baugleiches Schwesterschiff BRETAGNE hatten zudem nicht unerhebliche Laderäume, was für den Auswandererdienst unumgänglich war und zusätzliche, vom Passagierdienst unabhängige Einnahmen brachte. Die Laderäume befanden sich im Bug und im Heck auf den unteren Decks, die durch auf dem Vorschiff und am Heck aufgestellte Masten und Ladepfosten mit den damals üblichen Ladebäumen (12 á 5 t Tragfähigkeit) durch 4 Ladeluken beladen wurden. . Insgesamt maßen die

Direkt unter dem Vordeck lag ein Laderaum für Pkw. Die PROVENCE und die BRETAGNE waren die größten französischen Liner auf der Südamerikaroute und belegten unter allen französischen Passagierschiffen Platz 6 und 7! Die PROVENCE war das bis dahin größte Schiff der Neptunwerft von Swan Hunter.
 
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